Es gibt seit einiger Zeit Spekulationen über einen eigenen Webbrowser von Google. Ausgegangen sind die Überlegungen vor allem von der Registrierung der Adresse http://www.gbrowser.com/ durch das Unternehmen.

Als ich erstmals Mitte September 2004 davon hörte, war mir der Sinn eines solchen Programms unklar, wenngleich ein Google Browser (im folgenden GBrowser genannt) mit einem Schlag deutlich höhere Aufmerksamkeit zukäme, als Mozilla Firefox oder einem vergleichbaren Internet-Explorer-Konkurrenten.
Dazu muss angemerkt werden, dass über die Markteinführung der Version 1.0 des „alternativen“ Browser Firefox in der „Mainstream-Presse“ außergewöhnlich viel berichtet wurde, unter dem Eindruck dass der Browser nach wie vor mehrheitlich ein Lieblingskind der Web-Developer, Techniker und in freier Software Engagierter ist.
Die weitere Beschäftigung mit dem Thema Google Browser hat den Ursprung in einem Artikel bei MozillaNews. Für einen exzessiven Webuser (wie meine Person) stellte Mozilla Firefox bereits in allen seinen Vorversionen und in der nun erschienen Version 1.0 eine mehr als zufriedenstellende Erweiterung der Nutzungs- und Kontrollmöglichkeiten über das persönliche Internet-Erlebnis dar. Darum war der Gedanke nach einem Browser der beliebtesten Suchmaschine insofern unangenehm, als dass er den eigentlich im Rampenlicht zu stehenden Organisationen, (virtuellen) Gemeinschaften und Unternehmen die Aufmerksamkeit gestohlen hätte. Denn Google würde mit Sicherheit auf einer fremden Rendering Engine aufgebauen und es stehen derzeit nur zwei vernünftige dazu zur Verfügung, zum einen die KHTML-Komponente vom [KDE]-Webbrowser Konquerer und zum anderen die Mozilla Layout Engine, auch Gecko genannt.
Letztere unterlag bekanntlicherweise KHTML im Kampf um die Wahl als Grundlage des Apple-Webbrowser Safari zum Jahreswechsel 2002/2003 (zur Zeit Mozilla 1.3betas). Doch hat bei den Mozilla-Entwicklern nach diesem Rückschlag ein Umdenken eingesetzt, dass sie zum Fokussieren ihrer Kräfte auf Einzelkomponenten und somit auf ihr bisher unumstritten bestes Produkt, nämlich Firefox, brachte. Seitdem ist der Stellenwert Geckos wieder deutlich gestiegen. Unter diesem Eindruck muss auch die Integrationsmöglichkeit von Gecko in KDE gesehen werden.

In oben erwähnten Artikel von MozillaNews beschreibt der Autor nun welche Besonderheiten / Spezialitäten der GBrowser haben würde und im folgenden möchte ich kurz zusammenfassen, was so ein Produkt sinnvoll machen würde. Google ist – nachdem sich Microsoft im Suchmaschinenmarkt positionieren will und zunehmend der Stärke Googles, in einer nahen(?) Desktopzukunft mit mehrheitlich höchst flexiblen, einfach zu bedienenden Web-Applikationen, bewusst wird – ebenfalls um eine Ausweitung des Geschäftsfeldes bemüht. Mit GMail hat das Unternehmen eine innovative Art einer Webmail-Applikation geschaffen. Ein Browser, der solche im Hintergrund technisch aufwendig Applikationen unterstützt und mehr noch, darauf zugeschnitten ist, wäre ein interessante Ergänzung des Produktportfolios im Rahmen Googles.
Als weitere Beispiele für die Integration eines Browsers nennt der Autor die Google Newsgroups, das Google Newsverzeichnis oder die Desktop Search, die vor kurzem ebenfalls das Licht der Internetwelt erblickte.

Mit diesen Ideen erscheint ein eigener Google Browser sinnvoll, vor allem wenn die Marktmacht des Unternehmens und die Druchdringung der eigenen Promotion bedacht wird.

Update 2004-11-03:
Neben den unvermeidbaren Dementis in Form von Presseerklärungen von Seiten Googles sprechen inzwischen aber auch die starke Verknüpfung zw. Firefox und Google, zum Beispiel die in Firefox 1.0 eingeflossene Google-Firefox-Startseite für einen anderen Weg, ein anderes (kurzfristiges) Ziel.